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KNAUS TABBERT GROUP meldet Insolvenz an

Der größte deutsche Wohnmobilhersteller, die Knaus-Tabbert-Gruppe aus dem niederbayerischen Jandelsbrunn, hat Insolvenz angemeldet. Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde Hder Münchner Rechtsanwalt Michael Jaffé eingesetzt. Der Jurist hat sich bereits als Nachlassverwalter der Kirch-Gruppe einen Namen gemacht.

Gescheitert ist der Campingfahrzeughersteller an zwölf Millionen Euro, der Summe, die das Unternehmen bei Passau zumindest vorübergehend gerettet hätte. Doch wochenlange Verhandlungen mit dem Bankenpool unter Führung der Bayerischen Landesbank scheiterten. Die Geldhäuser wollten dem Unternehmen nicht mehr aushelfen. Mit dem Kredit sollte, wie in den vergangenen Jahren auch, die absatzschwache Zeit bis zum Frühjahr überbrückt werden, denn das Unternehmen hat kaum Rücklagen und Eigenkapital. Gleichzeitig sank der Umsatz von 330 Millionen auf 305 Millionen Euro. Dazu kommen 60 Millionen Euro Schulden. Bei Knaus Tabbert und seinen Zulieferfirmen geht es um rund 2000 Arbeitsplätze. Landrat Ludwig Lankl (CSU) spricht von einer Katastrophe für den Landkreis Freyung-Grafenau.

Nach einer Betriebsversammlung am Freitag regt sich nun dennoch ein wenig Zuversicht. „Eine Insolvenz ist nicht das Ende“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Anton Autengruber.

Doch die Angst bleibt. 760 Mitarbeiter im Stammsitz Jandelsbrunn, 400 im hessischen Mottgers und 350 im ungarischen Nagyoroszi bangen jetzt um ihre Arbeit und ihre Zukunft. In Niederbayern produziert Knaus seit 1970 und ist einer der größten Arbeitgeber in der strukturschwachen Region.

Knaus Tabbert leidet wie die gesamte Branche der Wohnmobilhersteller unter Markteinbrüchen von bis zu 30 Prozent. „Die Branche hat Überkapazitäten aufgebaut“, sagt Knaus-Geschäftsführer Hoßfeld. Insolvenzspezialist Jaffé versichert nun: „Gemeinsames Interesse kann es nur sein, den Fortbestand von weitestmöglichen Teilen der Gruppe zu erreichen.“ Auch die Finanzinvestoren, so Jaffé weiter, seien daran interessiert.Es gibt bereits einen Restrukturierungsvorschlag. Demzufolge sollen im laufenden Geschäftsjahr nur 13500 Fahrzeuge produziert werden, um den großen Haldenbestand abzubauen. Heuer könnten dann rund 14.500 Fahrzeuge verkauft werden, von 2009/2010 an wären, so die Einschätzung, wieder mehr als 18.000 möglich, so viele wie im vergangenen Geschäftsjahr.

So ergibt sich eine paradoxe Situation: einerseits die drohende Zerschlagung des Traditionsunternehmens und der Verlust der Jobs, andererseits konkrete Händlerbestellungen, die die Auftragsbücher füllen. „Von Dezember an gibt es jede Menge zu tun“, sagt Hoßfeld. Nach den Worten des Insolvenzverwalters soll die Produktion planmäßig weitergehen. In zwei Wochen, so die derzeitige Planung, sollen die Bänder in Jandelsbrunn wieder anlaufen.


[Zitat aus: "Welt Online" (www.welt.de) vom 11. Oktober 2008]

Matthias 11.10.2008, 07.58

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